Zu meiner Motivation, warum ich mich für den Beruf des Tagesvaters entschieden habe, muss ich ehrlich sagen,
dass es schlussendlich mehrere, ganz pragmatische Gründe waren, die den letzten Anstoß zur Umsetzung gebracht haben.
Durch diese Tätigkeit habe ich nämlich die Möglichkeit unseren, dann einjährigen, Sohn selbst zu Hause zu betreuen und
bin nicht von möglicherweise unflexibleren Betreuungszeiten einer anderen Betreuungsvariante angewiesen, während meine Frau,
die sich zur Zeit in der Weiterbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin befindet, dieser zeitlich umfassenden
und häufig in die Abendstunden reichenden Tätigkeit nachgehen kann. Da ihr Einkommen neben der kostenpflichtigen Ausbildung
nicht für uns reicht, bin ich froh als Tagesvater auch noch einen erheblichen Teil zum Familieneinkommen beisteuern zu können.
Auch weite Arbeitswege und familienunverträgliche Arbeitszeiten sollten vorerst der Vergangenheit angehören, hoffe ich.
Aber selbstverständlich sind dies noch nicht alle Gründe und schon länger hatte ich überlegt, anstatt meines herkömmlichen
Berufes auf eine sinnvolle, abwechslungsreiche und hoffentlich erfüllende Tätigkeit im sozialen Bereich umzusatteln, gern auch
mit Kindern, wobei letztere Idee natürlich durch die eigene Vaterschaft "geboren ist". Ich war immer schon ein recht aktiver und
präsenter Vater und habe erlebt, welche Freude es macht, Kindern bei Fortschritten in ihrer Entwicklung zuzusehen und sie
mitunter auch individuell dabei zu fördern. Von Angehörigen und Freunden habe ich häufig positives Feedback in meiner Rolle als
Vater bekommen und habe auch selbst den Eindruck, dass ich gut mit Kindern umgehen kann. Bereits vor vielen Jahren, als ich als
hobbymäßig Fußballtrainer im Verein war, wurde ich für meine sozialen Kompetenzen gelobt. Ich denke einfach, dass ich leicht
mit anderen Menschen in Kontakt komme, aber auch gut eine tragfähige langfristige Beziehung aufbauen kann, was in der Arbeit
mit Kindern sicherlich von enormer Wichtigkeit ist.
Für unsere damals zehn Monate alte Tochter haben wir 2010 selbst eine Tagesmutter gesucht und zum Glück eine richtig tolle
gefunden. Unsere Erfahrungen mit der Kindertagespflege waren überwiegend positiv und wir haben den Eindruck, dass unsere
Tochter durch eine familienähnliche Betreuung mit mehreren Kleinkindern in ihrem Sozialverhalten enorm profitiert hat und dies
noch heute tut. In diesem Zusammenhang haben wir in unserer Familie über die Vorteile der Kindertagespflege nachgedacht und
haben für uns festgestellt, dass wir das familiäre Setting und den, im Vergleich zum U3 Bereich mancher Kita, guten
Betreuungsschlüssel schätzen und deshalb Tagesmütter (damals kannte ich nur diese) für eine sinnvolle Ergänzung zur
Kindertagesstätte halten. Über meine Mutter hörte ich damals von einer Frau, die ihr Kind zu einem Tagesvater brachte.
Dies fand ich zunächst einfach nur originell, hatte aber schnell viele Vorteile im Kopf, die die Betreuung durch einen
Mann bringen könnten. Aus diesem Grund finde ich es auch wichtig, dass ich, als Mann mich an diese Aufgabe heranwage.
Männer haben häufig einen anderen Blick auf Kinder, gehen anders mit ihnen um. Insbesondere für Kinder, die keinen oder
wenig Kontakt zu einer männlichen Bezugsperson haben, könnte ein Tagesvater eine wichtige Bereicherung sein.
Zusammengefasst kann man sagen, ich werde Tagesvater, da ich eine herausfordernde und abwechslungsreiche Tätigkeit ausüben
möchte, mit der man täglich Schönes und Neues erleben kann; da ich an das "Konzept Kindertagespflege" glaube und zu dessen
Ausbau beitragen möchte; und weil dieser Beruf aus pragmatischen Gründen gut zu meiner aktuellen Lebenssituation und
der meiner Familie passt.
|